31.05.2011

"Geheimnis der Gallier" III+ / Mieminger Kette

Jeder fängt mal klein an, so auch wir bei unserem heutigen Vorhaben. Wir wollen unsere erste eigenständige Alpinkletterroute begehen. Ordentlich geübt haben wir die vergangenen Tage, als wir mit dem DAV im Tessin unterwegs waren (Bilder).
Die Sicherungstechnik ist eingeschliffen, alle Knoten und Kommandos parat, also kann es losgehen. Zur Premiere haben wir uns eine sehr leichte Route auf der Südseite der Mieminger Kette herausgesucht. "Das Geheimnis der Gallier", eine 8 Seillängen umfassende Kletterpartie im oberen III. Grad, laut Beschreibung ideal für Kinder und Anfänger.

Am Vortag sind wir aus der Schweiz über die Inntalautobahn nach Telfs angereist und haben dort die Nacht verbracht. Um 7:00 Uhr gab's Frühstück und gleich danach gings mit dem Auto los. Man folgt in Telfs zunächst ein Stück der Straße nach Leutasch, um sich dann immer der Beschilderung "Strassberghaus" folgend durch St. Georgen nach Lehen durchzuschlängeln. Ab hier endet die geteerte Straße und man fährt weiter auf einem Forstweg bergan nach Norden. Kurz bevor eine weitere Durchfahrt von einer Schranke verhindert wird gibt es kurz hintereinander 2 Parkplätze, auf denen man das Auto abstellen kann.
Um 8:35 Uhr also werden die Rucksäcke geschultert und wir folgen dem Weg Richtung Strassberghaus zu Fuß weiter. Das Wetter schaut noch passabel aus und auf den ersten Metern hat man einen guten Einblick auf die Südseite der Hohen Wand.

Nach einer Viertelstunde passieren wir dann das Strassberghaus und halten uns ab jetzt weiter auf dem Weg zur Neuen Alplhütte.

Wir wählen die steilere Variante und kommen - noch immer auf breitem Forstweg - um 9:00 Uhr an der Neuen Alplhütte vorbei. Ab hier folgen wir der Beschilderung zum Karkopf und ein schmaler Pfad führt uns durch den Latschengürtel, während auf unserer linken Seite die Judenköpfe immer mehr in unser Blickfeld kommen.

Bald erreichen wir eine Anhöhe und sind nicht mehr weit vom nächsten Wegpunkt, dem Wetterkreuz entfernt. Zunächst bekommen wir aber zum ersten Mal richtigen Einblick zum Karkopf.

Ein paar Meter weiter zeigt sich dann auch unsere heutige Herausforderung. Wir können die Felsrinne, durch die "Das Geheimnis der Gallier" führt komplett einblicken. Die Route beginnt unten bei dem großen Schneefeld und führt durch die Rinne, bis sie in den grünen Schrofen ausläuft und nach einigen weglosen Höhenmetern unterhalb des Karkopfs wieder auf den markierten Wanderweg führt.

Um zum Einstieg zu gelangen, müssen wir uns jetzt allerdings erst noch weiter auf dem Weg zum Karkopf halten und das Wetterkreuz erreichen, wo wir um 10:00 Uhr eine kleine Pause machen.

Im Anschluss folgen wir dem Weg zum Karkopf noch bis in das nächste Geröllfeld. Hier geht es gleich bergab nach rechts und nach ca. 50 Höhenmetern im Abstieg hält man sich nach links in Richtung eines kleinen Wasserrillenpfeilers, auf dessen rechten Seite der Einstieg zur Route liegt.
Dort angekommen wird die Kletterausrüstung angelegt. Wir verzichten darauf unsere Kletterpatschen anzuziehen und begehen die Route mit unseren halbhohen Zustiegsschuhen mit harter Vibramsohle, was sich im Nachhinein als völlig ausreichend erweist. An Ausrüstung benötigt man für die Route ein 60 m Einfachseil (sofern man die 4. Seillänge im I. Grad sichern will 70 m) 8 Exen und natürlich den Steinschlaghelm.
Um 10:30 Uhr sind wir bereit und die erste Seillänge beginnt mit einem griffigen Wändchen im III. Grad.

Bereits nach ca. 30 Metern wartet der erste Standplatz, auf der Kletterstrecke zuvor waren - wie auch im weiteren Verlauf - ausreichend Zwischensicherungen vorhanden. Das Klettern geht uns bei der einfachen Route locker von der Hand und so sind auch die 2. und 3. Seilänge im oberen II. Grad schnell geklettert. Die Routenfindung ist sehr einfach, man folgt einfach immer der Rinne nach oben.

Die 4. Seillänge besteht aus Gehgelände und einigen Stufen im I. Grad, so dass wir hier nicht sichern, sondern das Seil lose tragen und erst vor der 5. Seillänge wieder Stand beziehen.

Die nächsten 3 Seillängen bieten noch einmal schöne Kletterei bis zum oberen III. Schwierigkeitsgrad, auch eine etwas steilere Wandstelle will dabei überwunden werden.

Im Prinzip endet die Kletterroute nach diesem Wandstück, die 8. Seillänge aus dem Topo besteht wie schon die 4. Seillänge weiter unten aus Gehgelände und leichter Kraxelei. Man folgt der Rinne einfach weiter bis sie in grünes Geschröf übergeht und man dann die Markierungen des Karkopf-Normalwegs erkennt, zu dem man nach links herüberquert.
Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Gipfelaufbau des Karkopfs, der von hier recht eindrucksvoll ausschaut.

Leider braut sich am Himmel etwas zusammen, für den Nachmittag sind Gewitterschauer angekündigt und so ist der Aufstieg zum Gipfel heute keine Option mehr. Stattdessen ziehen wir die Klettergurte aus und packen zusammen. Für die Kletterstrecke von ungefähr 300 Höhenmetern haben wir 2 Stunden gebraucht und nach kurzer Pause beginnen wir nun mit dem Abstieg. Um 13:15 Uhr passieren wir wieder das Geröllfeld und das Wetterkreuz, wo wir uns im Buch eintragen.

Weiter geht es auf dem schon bekannten Aufstiegsweg Richtung Alplhütte und 5 Minuten vor dem rettenden Hüttendach werden wir doch noch von einem Schauer eingeholt. Umso nötiger haben wir die folgende ausgiebige Rast auf der Neuen Alplhütte, wo ein leckerer Kaiserschmarrn hilft, die Kraftreserven wieder aufzufrischen.

Gut gestärkt sind die letzten Höhenmeter hinab zum Auto ab 14:30 Uhr dann kein Problem mehr und so endet unsere Tour heute um 15:10 Uhr mit dem Verstauen der Ausrüstung in unserem Kofferraum.

Das Geheimnis der Gallier war für uns der ideale Einstieg ins eigenständige Alpinklettern, auf der leichten Route kann man schön die Sicherungstechniken üben und sich fit machen für längere und schwierigere Touren. Wir werden auf jeden Fall wieder Alpinklettern gehen und uns ganz langsam steigern wollen.

Ein Topo zur Route gibt es bei www.bergsteigen.at. Den Track zur Tour gibt es bei www.wandermap.net, mehr Bilder gibt es bei www.23hq.com oder direkt hier:

Bitte den Hinweis zu unseren Tourenberichten beachten!


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