18.06.2007

Hindelanger Klettersteig / Allgäuer Alpen

Noch vor dem Frühstück beobachten wir heute den Himmel, es ist bewölkt und auf der gestrigen Wettervorschau waren sogar Gewitter angesagt, wir sind also am Zweifeln welche Tour heute möglich ist. Nach dem Frühstück sieht die aktuelle Vorschau etwas optimistischer aus, so dass wir uns entschließen, die Fahrt zum Nebelhorn zu wagen, um den Hindelanger Klettersteig in Angriff zu nehmen. Im Supermarkt decken wir uns auf dem Weg zur Nebelhornbahn noch mit dem nötigen Proviant ein, um dann um 9:00 Uhr in der ersten Bahn Richtung Gipfel kutschiert zu werden.

Außer uns ist noch ein Bergführer in der Gondel, der mit einer Gruppe eine Wildwanderung durchführt, und zwei Frauen, die ebenfalls den Klettersteig gehen wollen und sich nach der Gehdauer des Steigs erkundigen. Auf dem Weg nach oben sehen wir in einem steilen Berghang einige Gämse, es sollen für den gesamten Urlaub unsere einzigen bleiben. Die Seilbahn zum Nebelhorn teilt sich in drei Sektionen, auf der zweiten, der Station Höfatsblick müssen wir einige Minuten warten bis die erste Bahn zum Gipfel fährt. Wir nutzen die Pause um schon die Ausrüstung anzulegen und den auch von hier schon tollen Ausblick zu studieren.

Doch erst an der Bergstation haben wir schließlich freien Blick in Richtung Hauptkamm der Allgäuer Alpen.

Wir beeilen uns und lassen den Abstecher zum Gipfelkreuz des Nebelhorns ausfallen, um als erste auf den Steig zu kommen. Nachdem der Berg durch die Gipfelstation total verbaut ist, haben wir hier auch sicher nichts verpasst. An der Bergstation können wir auf einem Hinweisschild den Verlauf des Steigs noch einmal begutachten.

Um 9:45 Uhr sind wir am Einstieg des Steigs, die Kletterei beginnt zunächst mit einer Leiter auf einen Felsturm. Wir benötigen einige Zeit um richtig in die Gänge zu kommen und kommen anfangs nur langsam voran, was zur Folge hat, dass wir nach einer Weile an einer Leiter die beiden Frauen aus der Seilbahn sogar wieder kurz hinter uns haben.

Wir kommen aber bald besser vorwärts und schließen vor uns zu einer weiteren Gruppe von 5 Klettersteiglern auf, die wohl im Edmund-Probst-Haus übernachtet und den Anstieg zum Nebelhorn zu Fuß bewältigt haben. Im stetigen Auf und Ab geht es abwechslungsreich über den Grat immer auf den höchsten Punkt unseres Unternehmens zu, den 2235 m hohen Westlichen Wengenkopf. Hier angekommen erwartet uns das einzige Gipfelkreuz für den heutigen Tag und wir machen eine kurze Pause, während wir den weiteren Verlauf des Steiges in Richtung Großer Daumen überblicken können.

Im Süden blicken wir in Richtung Hochvogel und Großem Krottenkopf, im Westen sind Mädelegabel und Trettachspitze zu erblicken, dazwischen im Vergleich fast zum Greifen nah die Gipfel der Höfats. Im Norden sehen wir die Nagelfluhkette und jetzt wird klar: Wir sind endlich mittendrin in den Alpen. Ein Blick gen Himmel lässt uns obendrein noch hoffen, dass uns auch auf unserer restlichen Tour das Wetter weiter gewogen sein wird. Aus diesem Grund besteht auch kein Anlass nach dem Weitergehen den bald auftauchenden ersten Notabstieg des Steiges zu benutzen.

Stattdessen wagen wir uns auch an den mittleren Teil des Steiges. Dessen Schwierigkeit führt uns noch nicht an unsere Grenzen und so kommt es auch immer öfter vor, dass wir zur schnelleren Fortbewegung an einfachen Stellen die Sicherungen unbenutzt lassen und uns stattdessen lieber schneller fortbewegen. Überhaupt ist zu erwähnen, dass die Sicherungen am Steig wohl dosiert gesetzt sind und leichte Klettereien deshalb ohnehin meist ohne Sicherung bewältigt werden müssen. Im Rückblick über die Schulter sehen wir die Bergstation der Nebelhornbahn in immer weiterer Ferne und auch der Westliche Wengenkopf entfernt sich immer mehr.

Bald überholen wir die vor uns gehende Gruppe, die gerade Pause macht und kurz darauf, um 11:50 Uhr setzen auch wir uns an einer sicheren Stelle hin und packen unsere Brote zur Stärkung aus. Natürlich werden wir jetzt sofort wieder überholt. Als wir weitermarschieren geht es zunächst wieder ein Stück bergab, bis wir auf den zweiten Notabstieg des Steiges treffen. Im Anschluss wartet die längste Leiter des Steiges auf uns und inzwischen haben wir auch wieder zur Gruppe vor uns aufgeschlossen. Die beiden Frauen aus der Bahn haben wir dagegen weit hinter uns gelassen und sehen sie nur noch ab und zu aus der Ferne.

Unser Tempo nimmt jetzt wieder spürbar ab, inzwischen macht sich die Länge des Steiges bemerkbar und wir müssen uns konzentrieren, um weiter wachsam zu sein. Nachdem wir noch den Östlichen Wengenkopf überschritten haben, beginnt der Abstieg in die Scharte vor dem Großen Daumen. Danach geht es noch kurz Auf und Ab, bis wir schließlich um ziemlich genau 14:00 Uhr an der Ausstiegsleiter ankommen.

Den Großen Daumen werden wir nicht mehr in Angriff nehmen, wir machen stattdessen eine Vesperpause und steigen anschließend über viel Geröll ins Koblat ab. Als wir den Koblatsee umrunden blicken wir schon ein wenig erschöpft nach oben auf den Gebirgskamm, den wir heute überschritten haben, wohlwissend dass wir noch eine ordentliche Strecke zurück zur Bahn vor uns haben.

Inzwischen sind am Himmel auch einige Wolken aufgezogen, jedoch können wir noch keine akute Bedrohung erkennen. Tatsächlich haben wir Glück und profitieren zwar von der schattenspendenden Wirkung der Wolken, werden aber von Nässe von oben verschont. Der Weg über das Koblat inklusive der Querung mehrerer kleiner Schneefelder ist etwas kraftraubend und wenig gelenkschonend. Wir lenken uns mit Blicken in die Ferne ab, denn zu unserer Linken ist jetzt der Hochvogel unser ständiger Begleiter.

Trotz der schon einsetzenden Erschöpfung kommen wir ganz gut voran und sind mehr als froh als wir um 15:45 Uhr nach der Überschreitung eines Sattels die Station Höfatsblick im Becken unter uns liegen sehen.

Nur zehn Minuten später stehen wir inmitten von Wanderern in der Schlange zum Einstieg in die Bahn und werden nach kurzer Wartezeit auf schnellstem Wege wieder ins Tal gebracht. Unten angekommen heißt es erst einmal raus aus den Wanderschuhen, so dass unsere Füße wieder atmen können. So langsam wird uns bewusst, dass wir es geschafft haben und unsere erste eigenständige Begehung eines alpinen Klettersteigs gemeistert haben. Schon ein bißchen stolz damit gleich die Kategorie K3 ohne Schwierigkeiten bewältigt zu haben, schmeckt das Abendessen beim Italiener in Oberstdorf später gleich doppelt so gut.

Auf unserer Tour haben wir heute in insgesamt 6:10 h und 5:40 h reiner Gehzeit eine Strecke von 7,2 km mit einem Aufstieg von 607 m und einem Abstieg von 906 m bewältigt.

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