25.08.2009

Schneefernerkopf (2874 m) / Wettersteingebirge

Ob der Gipfel, den wir uns an unserem dritten Tag des Sommerurlaubs in Ehrwald als Ziel ausgesucht haben, nun wirklich der zweithöchste Berg Deutschlands ist oder wegen seiner Nähe zur Zugspitze als Nebengipfel zählt, war uns ziemlich egal. Wir wollten einfach hinauf auf den Schneefernerkopf! Immerhin bot sich uns so die Gelegenheit, im dritten Jahr in Folge den Klettersteig durch den Stopselzieher von der Wiener-Neustädter-Hütte zu begehen.

Aber fangen wir doch erst mal von vorne an. Da am heutigen Tag für den Nachmittag Gewitter angesagt sind, klingelt der Wecker schon um sage und schreibe 4:30 Uhr. Nach einem kurzen Frühstück geht es dann auch schon um 5:20 Uhr im Dunklen an der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn los. Wir wollen diesmal zur Abwechslung den nördlichen Weg zur Wiener-Neustädter-Hütte über das Hohe Eck und den Bayernsteig erkunden und so marschieren wir im Licht der Stirnlampe durch den Wald nach Nordosten. Kurz vor 6:00 Uhr zeigen sich dann auch die ersten Sonnenstrahlen und wir können zum ersten Mal die Zugspitze im Morgenlicht betrachten.

20 Minuten später treffen wir am Bildstock am Hohen Eck an, wo wir kurz rasten. Ab hier zweigt der Weg nach einer kurzen Querung durch das Unterholz nach Südwesten ab und wir gewinnen am Hang unterhalb des Zugspitzgipfels jetzt auch deutlicher an Höhe. Als wir die Baumgrenze passiert haben, bietet sich uns auch ein wunderbarer Blick nach Norden zu den Ausläufern der Ammergauer Alpen, die Morgendämmerung taucht den Himmel in rötliche Farben.

Der Weg führt jetzt durch ein Geröllfeld, während zu unserer Rechten die Ammergauer Alpen mit dem Daniel als höchstem Punkt auftauchen.

Bald kommen wir unterhalb der Seile der Tiroler Zugspitzbahn an den ersten felsigen Passagen an, die mit Hilfe von Stahlseilen einfach zu bewältigen sind. Der Weg schlängelt sich jetzt immer unter den Drahtseilen der Bahn aufwärts, bis man an der alten Mittelstation zum ersten Mal auf den Weg durch das Gamskar queren könnte. Hier kann man jetzt auch hinüber in die Mieminger Kette in das Gebiet rund um den Seebensee blicken.

Wir halten uns weiter auf dem nördlichen Steig, der sich dann aber auf ca. 2000 m doch mit dem uns schon bekannten Weg zur Wiener-Neustädter-Hütte vereinigt. Noch ehe wir die Hütte erreichen, blicken wir - bevor es um die Ecke ins Österreichische Schneekar geht - nochmals hinab auf den Eibsee.

Um 8:25 Uhr kommen wir dann an der Hütte an, holen uns etwas zum Trinken und ruhen uns auf den Bänken im Freien aus, während wir auf den Steig zum Zugspitzkamm blicken.

An der Hütte herrscht reger Betrieb, es haben einige dort übernachtet und auch aus dem Tal kommen nach und nach einige Bergsteiger. Um 8:55 Uhr gehen wir schließlich weiter durch das Geröllfeld zum Einstieg des Stopselzieher-Steigs, wo wir eine Viertelstunde später ankommen, die Trekkingstöcke einpacken, die Helme aufsetzen und auch gleich mit dem Aufstieg beginnen. Die folgenden 90 Minuten auf dem Steig machen wieder jede Menge Spaß, wir halten nur kurz an, um von Zeit zu Zeit einen Blick zurück zu wagen.

Um 10:35 Uhr kommen wir dann auf dem Kamm an und machen fast auf Augenhöhe mit dem benachbarten Zugspitzeck eine 20-minütige Pause.

Nun heißt es mühsam erkämpfte Höhenmeter wieder beim Abstieg auf das Zugspitzplatt zu verlieren. Entschädigt werden wir dadurch, dass wir unser Ziel jetzt endlich vor Augen haben. Der Schneefernerkopf trohnt im Süden, während wir am Schneefernerhaus vorbei den Steig Richtung Sonnalpin hinabgehen.

Bereits jetzt ist auf dem Weg viel mehr los als auf der vorherigen Strecke. Es kommen uns viele Leute entgegen, die wohl entweder über Reintalanger- bzw. Knorrhütte oder aber bequem mit der Bahn auf das Platt gekommen sind und jetzt noch die letzten Höhenmeter zur Zugspitze vor sich haben.

Gegen 11:30 Uhr geht dann der richtige Trubel los, als wir das Platt erreichen und uns durch die Menschenmassen hindurch an der Seilbahnstation und der kleinen Kapelle vorbei zum südwestlichen Ende des traurigen Rests des Schneeferners zubewegen. Dort angekommen queren wir unterhalb des Schneefernerkopfs dann auf Schneeresten hinüber in Richtung Schneefernerscharte. Von hier kann man auch das Schneefernerhaus gut betrachten.

Kurz vor der Schneefernerscharte wenden wir uns schon dem Hang Richtung Schneefernerkopf zu und nach einer 10-minütigen Pause begeben wir uns zum Steig auf der Abbruchkannte Richtung Ehrwald. Zunächst wird hier eine kurze Strecke in geröllhaltigem Gelände zurückgelegt, bis man schließlich an den Felsen ankommt und am Stahlseil entlang in Kehren gipfelwärts geleitet wird.

Bei der Gipfelstation des alten Schneefernerlifts endet der gesicherte Steig schließlich und man ist nur noch wenige Meter vom Kreuzgipfel enfernt. Hier pausieren wir wieder kurz und stellen fest, dass leider kein Gipfelbuch mehr vorhanden ist. Nach einigen Blicken hinab nach Ehrwald wenden wir uns dann den letzten Höhenmetern zum Gipfel zu.

Der Weg führt jetzt mit nur noch geringer Steigung immer auf der Nordschulter zum Gipfel.

Sehr überrascht sind wir, als wir zwischen all den Steinen auch noch Blumen wachsen sehen, die in der sonst kargen felsigen Landschaft einen schönen Kontrastpunkt setzen.

Weniger schön steht der alte Skilift mitten in der Landschaft und rostet vor sich hin.

Die noch fehlenden letzten Meter im Aufstieg sind jetzt auch schnell bewältigt und so stehen wir um 12:45 Uhr auf dem Gipfel, der durch ein großes Steinmandl und eine Grenzmarkierung gekennzeichnet ist. Wir haben von hier noch einen recht guten Ausblick, es hat sich auf jeden Fall gelohnt, heute nicht auf die Zugspitze zu gehen, denn die ist schon den ganzen Tag nahezu pausenlos von kleineren Wolken eingehüllt und zeigt sich immer nur sehr kurz.

Wir verlassen den Gipfel des Schneefernerkopfs um kurz vor 13:00 Uhr wieder auf dem Aufstiegsweg und biegen auch am alten Skilift gleich wieder auf den Steig hinab zur Schneefernerscharte.

Da wir nicht gleich wieder hinab auf den Schneeferner queren, kommen wir jetzt auch zu einem Felsloch, das einen unglaublichen Tiefblick hinunter nach Ehrwald umrahmt.

Wir begeben uns wieder auf den Weg zurück zum Zugspitzplatt und um 13:45 Uhr sind wir dann an der Seilbahnstation angekommen. Wir fahren mit der Gipfelbahn auf die Zugspitze und ohne Pause mit der Tiroler Zugspitzbahn weiter hinab nach Ehrwald.

Wir sind noch keine Stunde wieder in unserer Ferienwohnung und schon bewahrheitet sich die Wettervorhersage. Ein ordentliches Gewitter entlädt sich über dem Wetterstein und jetzt ist es dort oben wohl nicht mehr so gemütlich. Uns ist es egal, wir können jetzt auf dem Balkon die Füße hochlegen und die Eindrücke einer schönen Bergtour verarbeiten.

Auf unserer Tour haben wir heute in insgesamt 8:25 h und 6:50 h reiner Gehzeit eine Strecke von 12,8 km mit einem Aufstieg von ca. 2227 m und einem Abstieg von ca. 867 m bewältigt.

Den Track zur Tour gibt es bei www.wandermap.net, mehr Bilder gibt es bei www.23hq.com oder direkt hier:

Bitte den Hinweis zu unseren Tourenberichten beachten!


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